****** Mein Lieblingswerk von Fantomas - erscheinen 2003 - der Band um Mike Patton (Faith No More, Mr. Bungle, Tomahawk, Peeping Tom und was nicht alles...), Buzz Osborne (Melvins), Trevor Dunn, Dave Lombardo (Slayer) - davon allerdings ist bei der Musik von Fantomas nur marginal etwas zu bemerken. Natürlich spielt Lombardo Drums, immer noch auf höchstem Level, allerdings nicht in den gängigen Strukturen. Ohnehin ist bei Fantomas nichts auch nur annähernd in gängige Strukturen gefasst. "Delirium Cordia" ist ein Song. One-Track-Alben gab es ja schon einige, wie z.B. "Crimson" und "Crimson II" von Edge Of Sanity oder "Light Of Day, Day Of Darkness" von Green Carnation. So etwas wie "Delirium Cordia" ist aber wohl doch ziemliches Neuland. Erstens ist der Song nicht knappe 40, sondern 74 Minuten lang – wobei die letzen 15 Minuten aus statischem Rauschen bestehen: Auch weist der Song nichts auf, was in Metal-Rock-Alternative-Bereichen normal wäre. Zunächst einmal wäre da das vollständige Fehlen von Gesang. Dann wäre da das Fehlen der üblichen Gitarren/Bass/Drums – Instrumentierung. Eigentlich ist Delirium Cordia nichts anderes als der Untergang der Musik. Da wird drauflos gesampelt mit dem Computer, vermengt mit atonalen Klavieren, Orchesterparts ohne Dirigenten, heulenden Winden, grunzenden Bässen, lautes Kreischen und Ächzen von Mensch und Maschine, wirren Drums, die klingen als wären sie einem indianischen Drogenfest entlehnt. Kurz: dies ist eines der irrsten Stücke Musik, die jemals auf CD gepresst wurden. Ob man bis dahin allerdings schon komplett durch "Delirium Cordia" durchgestiegen ist, ist fraglich. Denn diese wilde Mischung klingt, wie ein Film von David Lynch aussieht. Ein Fiebertraum. Der Soundtrack eines drogeninduzierten Alptraumes. Man kann dafür viele Umschreibungen finden. Nach 33 Minuten wird kurz mal gesungen, da klingt es wie Massive Attack. Nach 17 Minuten gibt es 10 Minuten lang Klangteppiche, wie bei einem Soundtrack zu einem äußerst grausamen Horrorfilm. Eigentlich entzieht sich ein Album wie dieses jeder Bewertung... Für den Durchschnittshörer ist das fast unerträglich, besonders im Dunkeln, da die düstere Stimmung des Albums so perfekt eingefangen ist, dass es fast Angst macht. Außerdem ist der normale Hörer an 4 bis 5 Minuten lange, strukturell einigermaßen nachvollziehbare Songs gewöhnt, die einem über Lyrics und Musik etwas vermitteln. All das gibt es bei Fantomas nicht. An welche Zielgruppe sich dieses Album richtet, ist somit absolut nicht erkennbar. Wer zu Hause gerne Horrorfilmsoundtracks hört, ist allerdings garantiert gut bedient. Alle anderen müssen wenigstens mal versuchen, ihr Ohr zu leihen oder diese Band weiterhin ignorieren. Hörenswert, auf jeden Fall! |