****** Meshuggah – abgeleitet von Meschugge, einem aus dem hebräischen/jiddischen entnommenen Lehnwort, dessen hebräischer Stamm "Lehischtagea" übersetzt so viel wie "verrückt sein" bzw. "verrückt werden" bedeutet. Eine wohl überlegte Namensgebung, der die Band von Beginn an gerecht werden konnte. Die fünf Schweden haben mit ihrer Fusion aus jazziger Experimentierfreudigkeit, Tech. Death Metal, Grindcore, so genanntem Mathcore, Thrash und Progressive Metal ihren eigenen Sound kreiert, der sich nahezu unmöglich mit anderen Bands vergleichen lässt. Mutig beschritten sie musikalische Gebiete, auf die sich kaum jemand zuvor gewagt hatte. Dabei legten sie die Messlatten der Extremität und Progressivität für sich und andere Bands immer ein Stückchen höher. Nun sieht es auf den ersten Blick so aus, als würden Meshuggah diese Stufe mit "Catch Thirtythree" nicht mehr erreichen können. Das Album in Form eines 47 Minuten langen, in 13 Abschnitte unterteilten Songs wirkt geradliniger als seine Vorgänger. Während man früher kaum die Songstruktur erkennen konnte, scheint auf "Catch Thirtythree" alles irgendwie überschaubarer und ruhiger zu sein. Natürlich beinhaltet die Scheibe noch immer alles, was Meshuggah ausmacht: tiefes Staccato-Riffing, heiser keifende Vocals und ein Drumming, dessen Rhythmische Komlexizität wohl endgültig die Grenze des menschlich Möglichen überschritten haben muss. Der erstmals verwendete Drum-Computer dürfte in naher Zukunft noch ordentlich Sprengstoff für so manche fachliche Diskussion liefern. Zur für Meshuggah-Verhältnisse eingängigen Produktion sei gesagt, dass die Band sich diesmal vermutlich auf ganz andere musikalische Extremzonen konzentriert haben muss. Die Priorität von "Catch Thirtythree" liegt nämlich eindeutig in der Erzeugung einer unglaublich verstörenden Atmosphäre. Das Album gleicht der verdrehten Seele eines Geistesgestörten, dessen Zeitempfinden verkümmerte durch etliche Jahre der Stille im finstersten Zellentrakt eines längst verlassenen Sanatoriums. Er sieht nichts, er weiß weder, wer er einst war, noch wie die Welt jenseits der Dunkelheit aussieht. "Gab es überhaupt jemals etwas anderes als das hier?!" Geplagt von Leid und Verwirrung ergibt er sich widerstandslos dem Schicksal, diesen Zustand bis in alle Ewigkeit zu ertragen. Je öfter man "Catch Thirtythree" auf sich wirken lässt, desto mehr fühlt man sich wie dieser beschriebene Geist. Quälende Monotonie durchzieht das gesamte Album. Immer wieder tauchen Passagen auf, in denen allein wirres Gitarrenwerk hallend die Stille durchzieht. Diese geradezu zermürbende Ruhe lässt den Hörer am Ende auch völlig allein zurück, sodass er sich zuguterletzt ähnlich konfus fühlt, wie nach einem David Lynch Film. Vorraussetzung für diesen Trip durch die Abgründe des Wahnsinns ist natürlich längere Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich gehen zu lassen. Wer beides mitbringt, wird trotz Drum-Computer und Geradlinigkeit viele Stunden Freude an diesem äußerst vielschichtigen Werk finden. Freunde von einfacher Musik, die man schnell mal nebenbei hören kann, sollten um dieses Meshuggah-Album jedenfalls einen großen Bogen machen! Die Platte war 2005 auch für mich ein großes Highlight!
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