****** Fast zwei Jahre hatten die Rolling Stones ihre Fans auf ein neues Album warten lassen. „Sticky Fingers“ hieß 1971 das neue Werk und zeigte die Stones in absoluter Hochform, denen kaum eine andere Gruppe so leicht das Wasser reichen konnte. Überhaupt kann man ihre zwischen 1968 bis 1972 veröffentlichte Alben zu den stärksten Rockalben zählen, die in dieser Zeit auf den Markt kamen. Bis zum ’74 Album „It’s only rock’n‘roll“ konnten die sie diesen Standart halten, dann war der Dampf raus. Ab dem ’76 Album „Black and blue“ wurden die Alben kontinuierlich schwächer. Vor allem ab Mitte der 80er Jahre produzierten sie teilweise so miese Alben, mit denen sie sich viele ihrer treusten Fans vergrault haben dürften Davon waren Mick Jagger, Keith Richard, Mick Taylor, Bill Wyman und Charlie Watts auf „Sticky Fingers“ noch meilenweit entfernt, dürften sie hiermit viele neue Fans gewonnen haben (wie z.B. mich). Gleich mit der ersten Singleauskopplung „Brown Sugar“ setzten ihre Erfolgserie nahtlos fort und landeten einen internationalen Tophit (u.a. Nr. 1 in den USA). Und das völlig zurecht, bot dieses Lied neben fetziger Rockmusik einen hörenswerten Text, ein Plädoyer gegen Sklaverei. Nebenbei war „Brown Sugar“ die beste Werbung für die aktuelle Langspielplatte „Sticky Fingers“. Musikalisch hatte sich bei den Stones nicht viel geändert, nur die Art und Weise, wie sie ihre Musik präsentierten, war schon sehr beeindruckend. Das lag in erster Linie daran, daß die Stones alles in Eigenregie und auf eigenem Label produzierten. So waren sie frei von kommerziellen Vorgaben eines großen Konzern und konnten das machen, was sie wollten und vor allem das, was sie am besten konnten: Verdammt gute Musik, die Anfang der 70er Jahre ihresgleichen suchte. Neben den wirklich guten Stücken „Sway“, „Can’t You Hear Me Knocking“, „You Gotta Move“, „Bitch“, „I Got The Blues“ und „Moonlight Mile“ beinhaltet „Sticky Fingers“ mit „Brown Sugar“, „Wild Horses“, „Dead Flowers“ und allen voran „Sister Morphine“ Stücke, die zum besten gehören, was die Stones je eingespielt haben. „Wild Horses“ ist ein sanftes, vom amerikanischen Folkrock beeinflußtes Lied, daß neben der schönen Melodie vor allem durch Mick Jaggers streckenweise leicht gequält anmutenden Gesang brilliert (eine gleiche Atmosphäre schufen die Stones knapp zwei Jahre später mit „Angie“). Den Vogel schießen die Stones mit dem fünfeinhalb minütigen „Sister Morphine“ ab, ein Stück mit einer unglaublich düsteren, bedrohlichen Atmosphäre, welches Mick Jagger und Keith Richards zusammen mit Marianne Faithful geschrieben haben. Zur Drogenproblematik gibt es zahlreiche Lieder, aber bis auf John Lennons „Cold Turkey“ gibt kein Lied, das eine derartige Intensität besitzt wie „Sister Morphine“. Eigentlich schade, das dieser Ausnahmesong der Stones nicht den Bekanntheitsgrad besitzt, dem ihm eigentlich zusteht. Was wäre noch zu „Sticky Fingers“ zu sagen? Vielleicht, daß es in einem der witzigsten Covers der Rockgeschichte verpackt ist. Das Cover wird geziert durch eine Jeanshose zwischen Gürtel und Knie. Beim Originalcover konnte man den Reißverschluß aus- und zuziehen. Und bei dieser Platte tauchte das inzwischen legendäre Logo der Stones, die herausgestreckte Zunge, erstmals auf. Gebt mir eine einsame Insel, ich würde „Sticky Fingers“ neben „Meddle“ von Pink Floyd, „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles, „Desperado“ und „Hotel California“ von den Eagles dorthin mitnehmen! Dernière édition: 30.03.2007 15:02 |